Ausgabe April 2011

Lehrstück Hartz IV

Unmittelbar im Vorfeld der Guttenberg-Hysterie – und von dieser alsbald überlagert – erfolgte eine sozialpolitische Entscheidung von fataler Konsequenz: In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar einigten sich Union und SPD auf eine Hartz-IV-Regelsatzerhöhung von acht Euro. Und zwar im schlichten Kompromissverfahren: Die Union hatte fünf, die SPD elf Euro vorgeschlagen – am Ende landete man in der Mitte.

Damit wurde das epochale Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Februar 2010 kurzerhand über Bord geworfen – und zwar in vollstem Wissen um die Rechtswidrigkeit des Vorgehens. Schließlich hatte Karlsruhe gerade Berechnungen „ins Blaue hinein“ gerügt und damit eine Sozialpolitik nach Kassenlage untersagt. Allen Menschen komme, unabhängig von ihrem in Euro und Cent gemessenen Nutzen für die Gesellschaft, eine unveräußerliche Würde zu. Diese konkretisiere sich in einem „Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums“,[1] welches auf unabhängigem Wege zu ermitteln gewesen wäre. Davon kann bei der letztlich zustande gekommenen Kompromisslösung auf dem Wege des Kuhhandels („Gibst Du mir drei Euro, geb ich Dir drei Euro“) natürlich nicht die Rede sein.

Jenseits der Menschenwürde

Den eigentlichen entscheidenden Fehler hatten SPD und Grüne allerdings bereits am 7.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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