Ausgabe Juni 2011

Portugal im Würgegriff

Derweil sich ganz Europa voller Sorge über seinen Dauerpatienten Griechenland beugt, gerät ein anderes Land fast aus dem Blick: Portugal, das älteste europäische Imperium und der erste europäische Nationalstaat, ist als drittes Euroland unter dem Rettungsschirm gelandet. Nach monatelangem Sträuben und erst nachdem die sozialistische Minderheitsregierung mit ihrem „Programm für Stabilität und Wachstum“, dem vierten Sparplan in zwei Jahren, im Parlament gescheitert ist.

Den Finanzmärkten passte das ganz und gar nicht. Portugals Staatsanleihen wurden prompt herabgestuft, die Zinsen schossen in die Höhe: Innerhalb weniger Tage kletterten sie auf neun Prozent für zehnjährige Anleihen und auf fast sechs Prozent für einjährige. Für dreimonatige Schatzwechsel stiegen die Zinsen innerhalb von zwei Wochen von 4 auf 4,7 Prozent. Mitte Juni stehen Staatsanleihen in Höhe von mehr als sieben Mrd. Euro zur Refinanzierung an. Die portugiesischen Banken und sogar die Zentralbank weigerten sich, Anleihen des eigenen Landes zu kaufen. Das kommt nicht von ungefähr, denn sie werden von den Banken im übrigen Europa mit Kreditentzug bestraft.

Was die Portugiesen ebenso wie die Griechen dringend brauchen, ist eine Atempause, eine Möglichkeit, dem Druck der Finanzmärkte für eine Weile zu entkommen.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.