Ausgabe Juli 2011

Ohne Strategie und Leitbild: Die neue deutsche Berufsarmee

Nachdem nun das große Aufatmen über den Ministerwechsel im Verteidigungsministerium vorüber ist und der neue Amtschef seine Arbeit aufgenommen hat, ist es an der Zeit, eine Eröffnungsbilanz der Ära de Maizière vorzulegen. Der Minister hat gepunktet mit seiner nüchternen Bestandsaufnahme, seinem Auftreten und seinen ersten Vorlagen. Gleichwohl sollte man sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein Modellversuch ersten Ranges abläuft, dessen eigentliche Versuchsleiterin an der Spitze der Exekutive sitzt, aber unbeteiligt bleibt.

Die Versuchsprämisse lautet: Sicherheitspolitische Positionen materialisieren sich in den Streitkräften; sie werden sozusagen in Strukturen gegossen und ins Gelände geschrieben. Die aktuelle Versuchsanordnung dagegen lässt sich etwa so beschreiben: Was geschieht, wenn die Prämissen unklar sind? Wenn die Reform also, um Ulrike Guérot zu zitieren, in einem „strategischen Vakuum“ stattfindet, weil sich Deutschland über seine sicherheitspolitische Rolle in Europa und der Welt gar nicht im Klaren ist?[1] Die Folgen lassen sich auch im – bisher erkennbaren – Design der nun angeschobenen „Neuausrichtung“ betrachten. Sie betreffen zum einen die strategische Ziel- und Willensklarheit in der Außen- und Sicherheitspolitik, zum anderen die staats- und gesellschaftspolitische Komponente des Reformprojekts.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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