Ausgabe Februar 2012

Hindenburg aus Großburgwedel

Das ist ja richtig: „‘s war ein Fehler oder kann / als Fehler angesehen werden. Junge, dieses Landhaus hätt ich nicht nehmen dürfen.“ Trotzdem: Man darf Christian Wulff nicht einfach mit Brechts Dogsborough gleichsetzen.

Dass „es“ ein Fehler war, dies hat der Bundespräsident öffentlich in ARD und ZDF bekannt. Aber ob er nehmen durfte, das scheint weniger klar. Es ist darum geboten, zwischen Christian Wulff und dem Reichspräsidenten von Hindenburg klar zu unterscheiden.

Immerhin, der Ausgangspunkt ist der gleiche: Die Karfiolindustrie, das Blumenkohlgeschäft „im Grund gesund, jedoch vorübergehend bedroht von Dürre“, liegt darnieder, der ehrliche alte Schankwirt und Bürgermeister Dogsborough besorgt dieser notleidenden Industrie eine Anleihe und bekommt dafür dieses Landhaus.

Das ist aber auch alles. Hindenburg hat tatsächlich mit dem Osthilfeprogramm für seine ostelbischen Großgrundbesitzerfreunde gesorgt, Wulff dagegen nur der im harten Kampf mit der Rentenversicherung stehenden Assekuranz eine kleine Steuerermäßigung besorgt – aber sonst?

Nein, vergleichbar sind der alte Reichs- und der neuere Bundespräsident nicht. „Es waren die Pappeln, die bei diesem Landsitz / Mich reizten. Und der Blick zum See, wie Silber / Bevor‘s zu Talern wird.

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