Ausgabe Februar 2012

Hindenburg aus Großburgwedel

Das ist ja richtig: „‘s war ein Fehler oder kann / als Fehler angesehen werden. Junge, dieses Landhaus hätt ich nicht nehmen dürfen.“ Trotzdem: Man darf Christian Wulff nicht einfach mit Brechts Dogsborough gleichsetzen.

Dass „es“ ein Fehler war, dies hat der Bundespräsident öffentlich in ARD und ZDF bekannt. Aber ob er nehmen durfte, das scheint weniger klar. Es ist darum geboten, zwischen Christian Wulff und dem Reichspräsidenten von Hindenburg klar zu unterscheiden.

Immerhin, der Ausgangspunkt ist der gleiche: Die Karfiolindustrie, das Blumenkohlgeschäft „im Grund gesund, jedoch vorübergehend bedroht von Dürre“, liegt darnieder, der ehrliche alte Schankwirt und Bürgermeister Dogsborough besorgt dieser notleidenden Industrie eine Anleihe und bekommt dafür dieses Landhaus.

Das ist aber auch alles. Hindenburg hat tatsächlich mit dem Osthilfeprogramm für seine ostelbischen Großgrundbesitzerfreunde gesorgt, Wulff dagegen nur der im harten Kampf mit der Rentenversicherung stehenden Assekuranz eine kleine Steuerermäßigung besorgt – aber sonst?

Nein, vergleichbar sind der alte Reichs- und der neuere Bundespräsident nicht. „Es waren die Pappeln, die bei diesem Landsitz / Mich reizten. Und der Blick zum See, wie Silber / Bevor‘s zu Talern wird.

Sie haben etwa 28% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 72% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema