Ausgabe April 2012

»Wart’s ab, Richard!«

Zu Chancen und Grenzen des Bundespräsidenten

Nachdem soeben Joachim Gauck durchaus gegen den anfänglichen Willen der Bundeskanzlerin zum elften Bundespräsidenten gewählt wurde, werden quer durch sämtliche Lager alte Rechnungen aufgemacht. Den Vorwurf, Angela Merkel habe zuvor mit Horst Köhler und Christian Wulff gleich zweimal das höchste Staatsamt degradieren wollen, kontern konservative Zyniker damit, dass es durchaus richtig gewesen sei, das Amt nach der expansiven Amtsauffassung Richard von Weizsäckers wieder „auf den konstitutionellen Topf zu setzen“. Denn das erste Qualitätskriterium eines Bundespräsidenten könne gerade nicht in der großzügigen Wahrnehmung seiner Kompetenzen bestehen, sprich: als geschichtspädagogischer Oberlehrer aufzutreten, die Parteien ständig zu rüffeln und damit den Kanzler oder die Kanzlerin zu ärgern.

Tatsächlich glaubte Angela Merkel offenbar, das Amt des Bundespräsidenten als solches nach dem Weizsäcker-Trauma der Union mit Kandidaten der Handelsklasse B wieder in seine Schranken weisen zu können. Sowohl Köhler als auch Wulff waren letztlich Kandidaten zur Verhinderung von größerer Amtsautorität: Mit Köhler sollte Schäuble und mit Wulff sollten Lammert oder eben Gauck verhindert werden. Der dritte Anlauf ist nun gründlich schief gegangen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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