Ausgabe Mai 2012

Netz ohne Vertrauen: Die neue Mega-Öffentlichkeit

Bild: iStockPhoto

Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, geht in diesem Monat an die Börse, und die Erwartungen sind hoch: Der Konzern, der über die Nutzerprofile von rund 850 Millionen Menschen verfügt, hofft, die Rekordsumme von mehr als fünf Mrd. US-Dollar zu erzielen. Damit würde der Wert des Unternehmens auf über 100 Mrd. US-Dollar ansteigen.

Doch nicht nur auf dem Börsenparkett bricht der Internetriese alle Rekorde. Täglich tauschen Facebook-Nutzer untereinander mehr als 250 Mio. Fotos und über 500 Mio. Nachrichten aus. Der weltweite Erfolg des sozialen Netzwerks hat somit auch unsere Kommunikationsgewohnheiten grundlegend verändert – und zugleich die Trennlinie zwischen privatem und öffentlichem Raum verschoben. Letztlich stellt sich damit die Frage, ob die Unterscheidung zwischen privat und öffentlich im „digitalen Zeitalter“ überhaupt noch Bestand haben kann.

Privatheit vs. Öffentlichkeit

Privatheit und Öffentlichkeit sind zwei Begriffe, die wir derzeit noch ohne Zögern verwenden und deren Konzepte uns im Alltag geläufig zu sein scheinen: Was wir zu Hause tun, ist privat, und was wir öffentlich tun, findet auf der Straße oder dem Marktplatz statt. Schon die Griechen unterschieden vom privaten Gehöft (Oikos) die Agora, auf der man sich versammelte und auf der Institutionen angesiedelt waren, die der Allgemeinheit dienten.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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