Ausgabe September 2012

Kapitalismus: Eine Gespenstergeschichte, 3. Teil

Die Totengräber des Planeten und die Rückeroberung der Nacht

Die indische Armut erlebt – nach einer kurzen Phase der Verdrängung, in der Indien „erstrahlte“ – als exotische Erscheinungsform im Kunstbetrieb ihr Comeback, angeführt von Filmen wie „Slumdog Millionaire“. In den einschlägigen Erzählungen über die Armen, über ihr erstaunliches Temperament und ihre Zähigkeit, gibt es keine Schurken – abgesehen von den kleinen, die für Spannung und Lokalkolorit sorgen. Die Autoren dieser Werke sind das zeitgenössische Pendant zu den Anthropologen der ersten Stunde, deren Arbeit „vor Ort“ man rühmte und prämierte, weil sie sich so tapfer ins Unbekannte vorwagten. Die Reichen indes werden nur selten auf diese Art und Weise inspiziert.

Das neoliberale Establishment musste, nachdem es herausgefunden hatte, wie man Regierungen, politische Parteien, Wahlen, Gerichte, die Medien und die liberale Öffentlichkeit managt, nur noch ein Problem lösen: Wie mit der wachsenden Unruhe, wie mit „people‘s power“ – der Gefahr einer Gegenmacht von unten – umzugehen sei. Wie zähmt man diese Leute? Wie verwandelt man Menschen, die aufwachen und sich wehren, in geduldige Haustiere? Wie saugt man die Wut der Leute ab? Wie leitet man diese in Sackgassen um?

Auch auf diesem Felde können die Stiftungen und ihre Partnerorganisationen auf eine lange und illustre Geschichte verweisen.

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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