Ausgabe September 2012

Kapitalismus: Eine Gespenstergeschichte, 3. Teil

Die Totengräber des Planeten und die Rückeroberung der Nacht

Die indische Armut erlebt – nach einer kurzen Phase der Verdrängung, in der Indien „erstrahlte“ – als exotische Erscheinungsform im Kunstbetrieb ihr Comeback, angeführt von Filmen wie „Slumdog Millionaire“. In den einschlägigen Erzählungen über die Armen, über ihr erstaunliches Temperament und ihre Zähigkeit, gibt es keine Schurken – abgesehen von den kleinen, die für Spannung und Lokalkolorit sorgen. Die Autoren dieser Werke sind das zeitgenössische Pendant zu den Anthropologen der ersten Stunde, deren Arbeit „vor Ort“ man rühmte und prämierte, weil sie sich so tapfer ins Unbekannte vorwagten. Die Reichen indes werden nur selten auf diese Art und Weise inspiziert.

Das neoliberale Establishment musste, nachdem es herausgefunden hatte, wie man Regierungen, politische Parteien, Wahlen, Gerichte, die Medien und die liberale Öffentlichkeit managt, nur noch ein Problem lösen: Wie mit der wachsenden Unruhe, wie mit „people‘s power“ – der Gefahr einer Gegenmacht von unten – umzugehen sei. Wie zähmt man diese Leute? Wie verwandelt man Menschen, die aufwachen und sich wehren, in geduldige Haustiere? Wie saugt man die Wut der Leute ab? Wie leitet man diese in Sackgassen um?

Auch auf diesem Felde können die Stiftungen und ihre Partnerorganisationen auf eine lange und illustre Geschichte verweisen.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.