Ausgabe September 2012

Das Jahrhundertverbrechen der Woche

Kaum war das Jungengesicht Jamie Dimons von der JP Morgan Chase Bank aus den CNN-Nachrichten verschwunden, da folgte ihm auf den Bildschirmen schon dasjenige Bob Diamonds nach, des (jetzt ehemaligen) Vorstandsvorsitzenden der Barclays Bank. Dieser wird beschuldigt, der eigentliche Verantwortliche für den größten Finanzskandal der britischen Geschichte zu sein. Die Kommentatoren schäumten vor Wut über die „stinkende Kloake“, die da aufgedeckt worden sei – „aufgedeckt“, man höre und staune, vier lange Jahre nach der Enthüllungsgeschichte des „Wall Street Journals“ über Libor-Manipulationen. Diese London interbank offered rate – abgekürzt Libor – basiert auf dem Durchschnitt der Zinssätze, zu denen Banken einander Geld leihen. So jedenfalls die Theorie. Dieser Interbankensatz wird jeden Morgen durch eine ausgewählte Gruppe von Banken neu festgelegt. Jede Bank „benennt“ dazu die Zinssätze, für die sie ihrer Meinung nach den kollektiven Geldpool anzapfen könnte, von Übernachtkrediten bis zu solchen mit zwölfmonatiger Laufzeit.
Am Libor orientieren sich Investoren weltweit – die „Financial Times“ schätzt, dass er Geschäftsverträgen im Wert von insgesamt 350 Billionen US-Dollar zugrunde liegt. Er gilt auch als Indikator dafür, wie gesund eine Bank ist.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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