Ausgabe November 2012

Ein Lob des Lobbyismus

Die Debatte um die Nebeneinkünfte Peer Steinbrücks hat eine neue heftige Diskussion um den Stellenwert des Lobbyismus in Deutschland ausgelöst. Ohne dessen Schwächen und Probleme zu leugnen, verteidigt ihn im Folgenden der Volkswirt Andreas Polk. 

Unternehmen beschäftigen „Government Affairs Manager“, haben Abteilungen für „politische Kommunikation“ und engagieren Dienstleister zur „Strategieberatung für Public Affairs“. In den Vereinigten Staaten heißt der Verband der Lobbyisten schlicht „American League of Lobbyists“. In Deutschland nennt man sich dagegen, auch um sich vom verfänglichen Begriff abzugrenzen, „Deutsche Gesellschaft für Politikberatung“. Ist Lobbyismus also etwas rundweg Negatives?

Keineswegs, Lobbyismus ist aus gutem Grund Teil unseres politischen Systems. Abgeordnete sind qua Amt Vertreter der Bürgerinnen und Bürger und ihrer Interessen – auch der wirtschaftlichen Interessen. Folglich gehört die Einflussnahme auf sie zum Wesen unserer Demokratie.

»Eine Politik ohne Lobbyismus wäre eine Politik abseits der Bedürfnisse der Bürger«

Stellen wir uns nur einmal vor, dass es keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit Abgeordneten oder der Exekutive gäbe. Die Folge wäre eine Politik abseits der Bedürfnisse der Bürger. Das aber wäre verheerend.

November 2012

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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