Ausgabe November 2012

Ein Lob des Lobbyismus

Die Debatte um die Nebeneinkünfte Peer Steinbrücks hat eine neue heftige Diskussion um den Stellenwert des Lobbyismus in Deutschland ausgelöst. Ohne dessen Schwächen und Probleme zu leugnen, verteidigt ihn im Folgenden der Volkswirt Andreas Polk. 

Unternehmen beschäftigen „Government Affairs Manager“, haben Abteilungen für „politische Kommunikation“ und engagieren Dienstleister zur „Strategieberatung für Public Affairs“. In den Vereinigten Staaten heißt der Verband der Lobbyisten schlicht „American League of Lobbyists“. In Deutschland nennt man sich dagegen, auch um sich vom verfänglichen Begriff abzugrenzen, „Deutsche Gesellschaft für Politikberatung“. Ist Lobbyismus also etwas rundweg Negatives?

Keineswegs, Lobbyismus ist aus gutem Grund Teil unseres politischen Systems. Abgeordnete sind qua Amt Vertreter der Bürgerinnen und Bürger und ihrer Interessen – auch der wirtschaftlichen Interessen. Folglich gehört die Einflussnahme auf sie zum Wesen unserer Demokratie.

»Eine Politik ohne Lobbyismus wäre eine Politik abseits der Bedürfnisse der Bürger«

Stellen wir uns nur einmal vor, dass es keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit Abgeordneten oder der Exekutive gäbe. Die Folge wäre eine Politik abseits der Bedürfnisse der Bürger. Das aber wäre verheerend.

November 2012

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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