Ausgabe Februar 2013

Putins Olympiade und die vergessenen Tscherkessen

Sotschi im Januar 2013: Russlands Präsident Wladimir Putin besucht den Ort, an dem in einem Jahr die Olympischen Winterspiele stattfinden werden, und nimmt ein Bad in der skisportbegeisterten Menge. „Sotschi 2014“, Putins Lieblingsprojekt, verspricht eine glanzvolle Veranstaltung zu seinem Ruhme und zur Ehre Russlands zu werden.

Für Putin wie für die russischen Wintersportler, die das Skigebiet unweit des Schwarzen Meeres lieben, ist die Gegend um Sotschi „urrussisches Gebiet“. Dass gerade hier vor 150 Jahren eines der blutigsten Kapitel in der langen Reihe russischer Eroberungen tragisch zu Ende ging, spielt in der russischen Öffentlichkeit keine Rolle. Was auch kein Wunder ist, geht es doch „nur“ um die Tscherkessen. Dass die Region um Sotschi deren letztes politisches Zentrum war, ist im stark nationalistischen Russland längst vergessen oder verdrängt. Dabei besiedelten die Tscherkessen einst weite Teile des Kaukasus, bevor sie und zahlreiche andere kaukasische Völker in einem jahrzehntelangen Eroberungskrieg im 18. und 19. Jahrhundert zu Hunderttausenden getötet oder ins Exil getrieben wurden. Dadurch aber wurden „nicht nur die Tscherkessen aus ihrem Land vertrieben, sondern auch ihr gesamtes kulturelles Erbe und sogar ihre Gräber brutal und vollständig zerstört.

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