Ausgabe Oktober 2013

Geistige Verwandtschaft: Jean Paul und Georg Büchner

Die beiden großen literarischen Jubilare dieses Jahres – Jean Paul Friedrich Richter und Georg Büchner – scheint auf den ersten Blick mehr als 50 Jahre zu trennen. Hier Jean Paul, Jahrgang 1763, der Autor der kleinen Leute und des großen Herzens, aufgewachsen als Hungerleider in der vogtländischen Provinz in Franken, der das Leben in einer Kleinstadt wie Bayreuth dem in Weimar, der geistigen Hauptstadt seiner Zeit, vorzog. Jean Paul – der wetterfroschzüchtende Kauz, der passionierte Biertrinker, der schwärmerische Spaziergänger und Liebling seiner weiblichen Leser.

Dort Georg Büchner, Jahrgang 1813, der Frühvollendete, der mit dem „Hessischen Landboten“ eine furiose Agitationsschrift verfasste und per Steckbrief gesucht wurde, bevor er sich vom dichtenden Revolutionär zum revolutionären Dichter wandelte.

Hier Jean Paul, der Ungelesene unter den deutschen Dichtergenies. Heute ist er den meisten nur durch seine Aphorismen und Bonmots bekannt, die sich allerdings en masse aus seinem Werk heraussieben lassen. Er ist zeitlebens ein Schreibwütiger, sein Nachlass bewahrt unfassbare 40 000 Manuskriptseiten.

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Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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