Ausgabe Oktober 2013

Riad und Teheran: In der Höhle des Löwen

Mit dem Tango, der schließlich zur Verständigung über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffenbestände führte, haben Moskau und Washington ein diplomatisches Schauspiel erster Güte geliefert. Dessen Analyse dürfte eine ganze Generation Politikwissenschaftler beschäftigen – aber auch die politischen Brezelbäcker! Denn wie bei diplomatischen Erfolgen üblich, beansprucht ein jeder der Darsteller für sich, gesiegt und strategische Vorteile für das eigene Land herausgeholt zu haben. Es ist gerade diese Komplexität der Debatte über Ursachen und Wirkungen, die das Interesse der Brezelbäcker auf sich zieht. An deren handwerklicher Raffinesse scheitern indes rationale Köpfe, die Anfang und Ende der Brezel exakt bestimmen möchten.

Es sind drei wichtige Fragen, die im Hinblick auf die russisch-amerikanische Übereinkunft dringend der Prüfung und möglichst nachvollziehbarer Antworten bedürfen. Die erste richtet sich eher an Gelehrte und Geschichtsforscher, da sie sich wohl nie definitiv wird beantworten lassen: Welchen Anteil hat die amerikanische Drohung, gewaltsam gegen Syrien vorzugehen, an dem Zustandekommen der Übereinkunft? Die Frage hat zwei Seiten und die Antworten auf jede der beiden reflektieren gängige ideologische Positionen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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