Ausgabe März 2014

Ukraine: Protest ohne Projekt

Die Proteste in der Ukraine gehen bereits in den dritten Monat, und noch immer ist eine Lösung des Konflikts nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Auseinandersetzungen haben sich inzwischen auf fast alle Regionen und Landesteile ausgeweitet, immer neue brutale Übergriffe und Folterungen lassen das Land Schritt für Schritt näher an einen Bürgerkrieg rücken. Dabei kämpfen sowohl die Oppositionsbewegung als auch das Regierungslager mit harten Bandagen, die Gewalt aus beiden Lagern lässt den Konflikt immer weiter eskalieren. Inzwischen haben beide Seiten sogar Tote zu beklagen.[1]

Zwar scheint die Machtbasis von Präsident Wiktor Janukowitsch langsam zu bröckeln. In fast allen westlich von Kiew gelegenen Oblasten, den politischen Verwaltungseinheiten der Ukraine, halten Regierungsgegner Rathäuser und Gouverneursverwaltungen besetzt. Auch lebten alte Ideen von einer Föderalisierung der Ukraine oder gar Abspaltung westlicher Oblaste wieder auf.

Doch Präsident Janukowitsch spielt auf Zeit. Erst nach sehr langem Zögern eröffnete er mit den Vertretern der drei parlamentarischen Oppositionsparteien Gespräche. Sein Angebot an Arseni Jazenjuk von Julia Timoschenkos Partei „Vaterland“, Ministerpräsident in einer neuen Regierung zu werden, spricht zudem für das Vorhaben, die Opposition zu spalten.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.