Ausgabe April 2014

Japan: Mit Nationalismus in die Isolation

Japans Premierminister Shinzo Abe hat eine Mission: Er will sein Land wieder zu der großen Nation machen, die es einmal war. Doch die Rückkehr zu einem erfolgreichen und nationalstolzen Japan ist nicht nur ein gewagtes Versprechen, sondern auch überaus gefährlich. Denn mit seiner auf nationale Größe abzielenden Politik droht Abe Japan international zu isolieren und das politische Klima zwischen China und Japan gefährlich aufzuheizen. Am Ende könnte sich Japan plötzlich in einem militärischen Konflikt mit China wiederfinden, den es gar nicht beabsichtigt hatte.

Zunächst ist zweifelhaft, ob Japan zu seiner alten wirtschaftlichen Stärke zurückfinden kann. In den letzten zwei Jahrzehnten verharrte das Land in der nabelschauartigen Betrachtung seiner Unfähigkeit, strukturelle Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft in Angriff zu nehmen, und Shinzo Abes weltweit Abenomics genannte Wirtschaftspolitik ist nach großen Anfangserfolgen für die Exportindustrie ins Stocken geraten. Ohnehin ist das anvisierte Wirtschaftswachstum von jährlich zwei Prozent in einer alternden Gesellschaft mit einer obendrein abnehmenden Bevölkerungszahl nicht zu erreichen.[1]

Umso mehr sieht Japan sich durch das immer stärker werdende China bedroht.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.