Ausgabe Oktober 2014

Liberaler Totalitarismus?

Zur Aktualität von Herbert Marcuse

Wenige Intellektuelle haben ihren Stern so hell leuchten und dann so schnell verblassen sehen wie Herbert Marcuse. Vor genau 50 Jahren erschien „One-Dimensional Man“ (Der eindimensionale Mensch), um 1968 herum haben praktisch alle das Buch gelesen; es wurde vom Englischen in Dutzende Sprachen übersetzt. Das „New York Times Magazine“ bezeichnete Marcuse als ideologische Quelle der Neuen Linken, und „The Economist“ nannte ihn einen „alten Propheten für die Neue Linke in Paris“. In der französischen Hauptstadt, so stellte der Auslandsredakteur fest, „haben sie seinen Namen an den Barrikaden skandiert, und in ganz Westeuropa werden seine Bücher Teil des Evangeliums der Neuen Linken.“ Die sowjetische „Prawda“ lamentierte: „Marcuse, Marcuse – die westliche Presse hört nicht auf, den Namen dieses 70jährigen ‚deutsch-amerikanischen Philosophen‘ zu wiederholen, der plötzlich aus dem Schatten der Vergessenheit aufgetaucht ist. [Er] ist ausgezogen, den Marxismus zu widerlegen [und] wird wie ein Filmstar angekündigt.“

Heute ist Marcuse ein altmodisches Relikt. Seit seinem Tod 1979 wird er nur von wenigen Wissenschaftlern rezipiert.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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