Ausgabe Juli 2015

Die Jagd nach dem blauen Gold

Der Kampf um die genetischen Meeresressourcen

Nach der „grünen“, „roten“ und „weißen” Biotechnologie – in Landwirtschaft, Pharmazeutik und industriellen Produktionsverfahren – richtet sich das wissenschaftliche und wirtschaftliche Interesse derzeit verstärkt auf die Ozeane. Sie beherbergen große Mengen an Bakterien, Schwämmen oder Algen – von sehr wahrscheinlich gewaltigem kommerziellem Nutzen.

Doch nur ein Bruchteil davon gilt bisher als erforscht. Dabei gewinnen Meeresorganismen für die biotechnologische Forschung rapide an Bedeutung. Heute bereits finden meeresgenetische Ressourcen Anwendung in der Krebs- und Alzheimertherapie, bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten oder der Behandlung von Magengeschwüren. Extrakte von Kegelschnecken und Manteltieren werden für die Herstellung von Schmerzmitteln und Chemotherapeutika verwendet. Andere Anwendungsfelder sind maßgeschneiderte Impfstoffe für die Fischzucht und Kosmetika aus lipidhaltigen Meeresorganismen. In naher Zukunft könnten genmodifizierte Algen auch die Herstellung neuer Biotreibstoffe ermöglichen sowie für die Sequestrierung von Kohlenstoffdioxid genutzt werden.[1]

Einen, genauer: zwei Haken hat die Sache allerdings. Erstens: Die technologischen und finanziellen Anforderungen an die Erforschung des „blauen Goldes“ sind gewaltig.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Mythos grüne Digitalisierung

von Ingo Dachwitz, Sven Hilbig

Unter dem KI-Boom leidet vor allem der Globale Süden: durch Ausbeutung billiger Arbeitskräfte und Ressourcen, als Empfänger von Elektroschrott und durch den beschleunigten Klimawandel. Positive Veränderungen können nur gelingen, wenn die EU gleichberechtigte Partnerschaften mit den betroffenen Ländern schließt.