Ausgabe Dezember 2015

Kaczyński total: Polen nach der Wahl

Jarosław Kaczynskis Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) ist zurück an der Macht. Bei der polnischen Parlamentswahl am 25. Oktober erzielte sie über 37 Prozent der Stimmen und besiegte damit die regierende Bürgerplattform (PO), die rund 24 Prozent der Stimmen erreichte, deutlich. Nach Andrzej Dudas Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Mai stellt damit in Polen erstmals seit dem Ende des Kommunismus 1989 eine einzige Partei die Regierung.

Tatsächlich kontrolliert Kaczynski nun nahezu alle Hebel der Macht. Eine Hoffnung bleibt jenen, die glauben, dass von ihm und dem populistischen Nationalismus seiner Partei eine Bedrohung für die Demokratie ausgeht: Der PiS fehlt die für Verfassungsänderungen nötige Zweidrittelmehrheit im Sejm (dem polnischen Parlament), und sie wird sie vermutlich auch nicht zusammenbringen können.

Das Wahlergebnis steht im deutlichen Widerspruch zur Lage in Polen. Unter der Bürgerplattform übertraf das BIP-Wachstum jenes aller anderen OECD-Länder; seine Gesamtzunahme zwischen 2008 und 2014 belief sich auf fast 24 Prozent. Die Arbeitslosigkeit fiel erstmals in zwei Jahrzehnten auf unter 10 Prozent, und das Haushaltsdefizit ist von 8 Prozent vom BIP auf unter 3 Prozent geschrumpft. Zudem waren die Polen noch nie so zufrieden mit ihrer Lebensqualität wie heute. Im September ergab eine Umfrage, dass 84 Prozent 2014 als ein für sie erfolgreiches Jahr ansehen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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