Ausgabe April 2016

Macht und Missbrauch

Wie die Ideologie der Eliten die pädosexuellen Täter deckt

Mit der Auszeichnung von „Spotlight“ zum besten Film bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ist die Aufklärung von Missbrauchsstrukturen in die Aufmerksamkeit einer globalen Öffentlichkeit gerückt.[1] Die Enthüllungen eines Reporter-Teams des „Boston Globe“ im Jahr 2002 zeigten, wie perfekt organisiert und gut getarnt sexualisierte Gewalt gegen Kinder verübt wird.[2]

Aber man muss nicht in die USA gehen: Auch in Deutschland und Österreich wurden seit 2010 eine ganze Reihe von institutionalisierten Missbrauchssystemen aufgedeckt – in der katholischen Kirche, an der Odenwaldschule und bei den frühen Grünen in Berlin-Kreuzberg. Doch anders als im Fall der Erzdiözese Boston harren die Fälle hier noch einer dokumentierbaren wissenschaftlichen Aufklärung, etwa im Falle der Abtei Kremsmünster. Gelegen in Oberösterreich, gegründet im Jahr 777 von Herzog Tassilo, ist die Abtei ein berühmtes und elitäres Stift. Seit 1549 ist die Klosterschule als humanistisches Internatsgymnasium für die Öffentlichkeit zugänglich – und seit den 1990er Jahren ist bekannt, dass es zu massiven Missbrauchsfällen an den Internatszöglingen gekommen ist.

Der schlimmste Täter war ein zutiefst gewalttätiger Mann.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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