Ausgabe April 2016

Wir Sklavenhalter, Teil II

Wie viele Sklaven halten Sie – und wie lange noch?

Lassen Sie mich raten: Als Sie zum ersten Mal die Frage „Wie viele Sklaven halten Sie?“ lasen, haben Sie sie spontan und unwillkürlich metaphorisch verstanden. Oder wie mir ein Manager, zumal ein Supply Manager, vorwurfsvoll sagte: „Ich weiß, dass unsere Lieferanten in Asien unter harten Arbeitsbedingungen leiden. Aber ich halte doch keine Sklaven!“ Ich verstehe seine Empörung. Ich war auch empört, als man mich zum ersten Mal als Sklavenhalter bezeichnete. Die Wahrheit ist jedoch: Das ist keine Metapher, sondern bitterer Ernst! Und diese Erkenntnis ist nur wenige Mausklicks entfernt. Hier einige mit wenig Aufwand erreichbare Daten:

Mit allen Formen der Zwangsarbeit werden nach Schätzung der International Labor Organization jährlich 150 Mrd. US-Dollar verdient. Diese Summe enthält noch nicht einmal die Profite, die mit Menschen erzielt werden, die für Löhne unter dem Existenzminimum arbeiten müssen, ohne von anderen dazu gezwungen zu sein. Fast zwei Drittel davon werden mit Zwangsprostitution erzielt. Auf erzwungene Arbeit in Fabriken und Minen entfallen immerhin noch 40 Milliarden US-Dollar

Man geht davon aus, dass 21 Millionen Männer, Frauen und Kinder in Zwangsarbeit als „moderne Sklaven” gefangen sind – also grob die Bevölkerung von Australien und Neuseeland zusammengenommen.

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