Man kann sich bei den investigativen Journalisten, die über ein Jahr recherchiert haben, nur bedanken: Die Panama Papers bedeuten einen Meilenstein, was die Kenntnisse über die dunklen Machenschaften in Steueroasen anbelangt. Erstaunlich ist dabei nicht die blanke Zahl von 215 000 Briefkastenfirmen, die allein der panamaische Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca im Namen seiner Kunden gegründet hat. Bereits lange vor den Leaks war bekannt, dass es weltweit Millionen Briefkastenfirmen in Steueroasen gibt. Neu an diesem Skandal ist, dass wir jetzt über Namen verfügen, vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko bis zu Ian Cameron, dem Vater des britischen Premierministers. Dadurch bekommen die Briefkastenfirmen Gesichter. Dies erhöht den Druck für politisches Handeln und auf die politischen Akteure, wie der umgehende Rücktritt des isländischen Regierungschefs belegt hat. All diese Namen bestätigen, was viele längst befürchtet haben: dass nämlich Teile der Eliten in Politik und Wirtschaft denken, dass für sie ein völlig anderes Recht gilt als für den „gemeinen Mann“ und die „gemeine Frau“. Daran ändert auch der Einwand nichts, dass das Ganze als solches nicht illegal sei.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.