Fünf Jahre wütet nun schon der Bürgerkrieg in Syrien, selbst eine von den USA und Russland vermittelte Waffenruhe erwies sich schnell als brüchig. Gemäß der Vereinbarung vom 10. September sollten die Regimestreitkräfte und die von Washington unterstützten Rebellen ihre Kampfhandlungen einstellen. Ausgenommen davon waren der sogenannte Islamische Staat (IS) und die Dschabat Fattah al-Scham – früher Al-Nusra-Front –, beide wurden weiter militärisch attackiert. Umstritten war die Einbeziehung der ebenfalls dschihadistischen Ahrar al-Scham. Fraglich war zudem stets, ob die Waffenruhe auch die Lage in den nordsyrischen Kurdengebieten entspannen würde. Die dortigen Milizen mussten es zuletzt nicht nur mit den Islamisten aufnehmen, sondern auch mit Regierungstruppen aus Ankara und deren syrischen Verbündeten. Damit aber greift der türkisch-kurdische Konflikt nun vollends auf Syrien über und trägt eine weitere Front in den ohnehin schon komplexen Konflikt hinein. Das zeigt sich derzeit in aller Deutlichkeit in Rojava: Diese Kernregion des kurdischen Siedlungsgebietes in Nordsyrien wird seit Sommer 2012 von den Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG und YPJ) kontrolliert,[1]dem militärischen Arm der Demokratischen Unionspartei (PYD), der syrischen Schwester der türkisch-kurdischen PKK.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.