Ausgabe August 2017

Mehr Grips wagen!

In Berlin herrscht Götterdämmerung: Mit Frank Castorf und Claus Peymann verabschieden sich die beiden Matadoren der Berliner Theaterlandschaft in die wohlverdiente 68er-Rente. Und beide gehen – wen wundert’s – nicht ohne ein letztes Göttergrollen. „In Berlin ist es tatsächlich nicht zum Aushalten“, barmt Peymann nach 18 Jahren als gut dotierter Intendant des legendären „Berliner Ensembles“ am Schiffbauerdamm und wettert noch einmal gegen die „völlig unfähige“ Berliner Bürokratie und seinen Nachfolger am Berliner Ensemble, Oliver Reese, den „schnurrenden Stubenkater“.

Auch der Ur-Berliner Castorf, sogar 25 Jahre lang Intendant der nicht minder legendären „Volksbühne“ am Rosa-Luxemburg-Platz, lässt kein gutes Haar an seinem Nachfolger. Um dem verachteten Chris Dercon, seines Zeichens Kurator und Theaterwissenschaftler, aber auch gar nichts zu hinterlassen, wird erst der Schriftzug „Ost“ auf dem Volksbühnen-Dach und dann auch noch das legendäre „Räuberrad“ vor dem Theater demontiert.

Fest steht: Peymann und Castorf haben das deutsche Nach-89er-Theater radikal konträr geprägt, Peymann betulich werktreu, Castorf anarchisch werkfern. Dabei sind sie am Ende fast zu Parodien ihrer selbst geworden.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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