Ausgabe September 2017

Die Rache der Realität und die Kraft der Utopie

Trumps Krieg gegen die Fakten und wie wir ihn gewinnen können

Ein in dieser Art bisher noch nicht gekanntes Merkmal der Trump-Ära ist der Krieg gegen Tatsachen: Die Presse wird als Feind des Volkes bezeichnet, wissenschaftliche Informationen verschwinden von Regierungs-Webseiten, und den Presseabteilungen der Ministerien und Behörden wird de facto verboten, über das Thema Klimawandel zu sprechen.

Als Reaktion darauf sind mehrere Initiativen aktiv geworden, um auf einfallsreiche Weise eine Lanze für die objektive Wahrheit zu brechen. Und es werden koordinierte internationale Anstrengungen unternommen, um zu verhindern, dass die wichtigen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse, die auf wundersame Weise von den Regierungs-Webseiten verschwunden sind, dem Vergessen anheimfallen. Bereits kurz nach Trumps Wahlsieg verkündete das in San Francisco ansässige gemeinnützige Projekt Internet Archive, das sich seit zwei Jahrzehnten der Bewahrung von Netzinhalten zum Nutzen der Öffentlichkeit widmet und bereits mehrere hundert Milliarden Webseiten archiviert hat, dass man plane, auf einem kanadischen Backup-Server Daten aus den USA zu speichern. In den Tagen vor Trumps Amtseinführung fanden in etlichen Städten Datensicherungs-Events statt – Treffen von Wissenschaftlern und besorgten Freiwilligen, in deren Verlauf Backups von Informationen auf den Webseiten der Umweltschutzbehörde EPA und anderer Regierungsorganisationen erstellt wurden.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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