Ausgabe November 2017

Die Grünen in Jamaika: Verantwortungsbewusste Bürgerlichkeit

Rot-Rot-Grün, das ominöse R2G, gehört auf Bundesebene für unabsehbare Zeit der Vergangenheit an. Was aber folgt daraus für die jeweiligen Chancen von Grünen, Linkspartei und SPD? Dem widmen sich die folgenden Beiträge von Claus Leggewie (zu den Grünen in einer künftigen Jamaikakoalition), Michael Brie und Mario Candeias (zu den Erfolgsaussichten der Linkspartei) und Claus Heinrich (zum Abstiegskampf der SPD). – D. Red. 

Seit langem haben linke Auguren der grünen Partei nachgesagt, sie werde als „grüne FDP“ enden und ihre radikalen sozialökologischen Ursprünge verraten. Wenn sie demnächst in eine Koalition mit den Liberalen unter Führung der Union eintreten sollte, scheint dieses Schicksal besiegelt. Wer den Schritt empfiehlt, muss also triftige Gründe anführen. Der wichtigste ist: „Jamaika“, auch „schwarze Ampel“ genannt, kann eine schwere Staats- und Europakrise verhindern. Und es gibt ja den ominösen Regierungsauftrag: Die Kanzlerpartei ist auf eine Größe geschrumpft, die bald kaum noch eine „große“ Koalition erlaubt; die Sozialdemokratie hat sich (fürs Erste) zum Gang in den vermeintlichen Jungbrunnen der Opposition entschlossen; die Linke, halb ostdeutsche Protestpartei, halb Spaltprodukt der Hartz-Gesetze, kann sich im Osten nicht mehr entfalten und im Westen nicht verankern.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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