Ausgabe Januar 2018

Simbabwe: Lang lebe das Regime!

Bild: Public Domain

Es war ein historischer Tag, als Simbabwes Parlamentspräsident Jacob Mudenda am 21. November in der Hauptstadt Harare folgende Sätze verlas: „Ich, Robert Gabriel Mugabe, reiche hiermit, nach den Bestimmungen von Artikel 96 der Verfassung von Simbabwe, meinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung ein.“ Fast im gleichen Moment brach Jubel aus: Abgeordnete sprangen von ihren Stühlen auf und stießen Freudenschreie aus. Auf den Straßen liefen die Menschen zusammen und feierten. Vor allem die jungen Simbabwer, die in ihrem Leben noch nie einen anderen Präsidenten erlebt haben, strömten zu Tausenden auf die Straßen der Hauptstadt. Viele hatten kleine Flaggen in der Hand oder sich große Fahnen über die Schultern gehängt. Auf den Dächern von Reisebussen tanzten junge Männer, und auf den Gehsteigen fielen sich wildfremde Menschen um den Hals.

Doch der Freudentaumel über das Ende der 37jährigen Herrschaft Mugabes währte nicht lange: Denn mit der Vereidigung von dessen mächtigem Vize Emmerson Mnangagwa zum neuen Präsidenten des Landes nur wenige Tage später ist nun ein eingefleischter Veteran des alten Regimes an der Macht, der maßgeblich für das repressive System und die Verfolgung Oppositioneller verantwortlich ist.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.