Ausgabe Mai 2019

»Wehe, wenn sie losgelassen / wachsend ohne Widerstand«

Am 16. Mai begeht Friedrich Schorlemmer, den wir seit 1990 unseren Mitherausgeber nennen dürfen, seinen 75. Geburtstag. Vor drei Jahrzehnten war er einer jener Mutigen, die das SED-Regime in die Knie zwangen. Als Prediger an der Lutherkirche zu Wittenberg wurde er schon zu Beginn der 1980er Jahren mit seiner Aktion »Schwerter zu Pflugscharen« zu einem der wichtigsten Protagonisten der friedlichen Revolution in der DDR. Auch dafür erhielt er 1993 aus den Händen von Richard von Weizsäcker den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Heute treibt ihn, den großen Rhetor und unermüdlichen Publizisten, tiefe Sorge um, angesichts des Zustands der erst vor 30 Jahren errungenen Demokratie. – D. Red.

Ereignisse wie die des letzten Jahres in Chemnitz – und ich befürchte, es werden nicht die letzten dieser Art gewesen sein – lassen jeden Demokraten verzweifeln, ja fast verstummen. Die dort zusammengerotteten Personen sind für einen zivilisierten politischen Meinungsprozess nicht mehr erreichbar. Auf die komplexe Welt reagieren sie mit hoch vereinfachenden Denkmustern. Je einfacher, desto wirksamer.

Da kommen Leute – vornehmlich Männer – mit lang gepflegten Vorurteilen zusammen, die der kritischen Rückfrage nicht mehr zugänglich sind.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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