Ausgabe August 2019

Gegen den Pakt des Schweigens: Die Aufarbeitung des argentinischen Staatsterrors

Lateinamerika steht vor einer neuen autoritären Wende. Umso mehr ist es von Belang, sich die letzte autoritäre Phase des Kontinents zu vergegenwärtigen – und deren Bewältigung. Das herausragende Beispiel dafür ist Argentinien. Seit 2004 ist der Bundesrichter Daniel Rafecas dort für einen Großteil der Gerichtsverfahren zur Aufarbeitung der argentinischen Diktatur, die von 1976 bis 1983 herrschte, zuständig. Rafecas reflektiert im Folgenden diesen Prozess und geht dabei insbesondere der Frage nach, inwieweit die Verfahren zu Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit beigetragen haben. Die Übersetzung stammt von der Elisabeth Käsemann-Stiftung. – D. Red.

Argentinien hat in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit für einen außerordentlichen Prozess der Strafverfolgung erfahren. Im Zentrum standen und stehen dabei jene, die auf verschiedenen Ebenen für massive staatliche Verbrechen der Diktatur von 1976 bis 1983 verantwortlich waren und deren Machtübernahme sich nun zum 43. Mal jährt.

In den Jahrzehnten nach der Gründung der argentinischen Republik im Jahr 1810 herrschten wirtschaftliche, politische, militärische und religiöse Eliten.

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