Ausgabe Mai 2020

Die Nazis hüben und drüben

Wie braun waren beide deutsche Staaten?

Sowjetische Panzersoldaten vor der Siegessäule in Berlin, 2. Mai 1945

Bild: Public Domain

Der 8. Mai 1945 ist zweifellos ein Tag der Befreiung. Doch benötigte die westdeutsche Republik vierzig Jahre lang, bis sie sich, angespornt durch die mutige Rede des seinerzeitigen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Bundestag, dazu durchringen konnte, diesen Tag auch als solchen zu deklarieren. Und ein Blick auf die Gegenwart zeigt, dass dieser Prozess der Anerkennung keineswegs endgültig abgeschlossen ist: Drei Jahrzehnte nach von Weizsäckers Rede bezeichnet ein Spitzenfunktionär einer im Bundestag vertretenen rechtsextremen Partei den Nazismus als „Vogelschiss der Geschichte“ und schwadroniert vom Stolz auf die Soldaten der Wehrmacht, während ein vermeintlich Liberaler sich von der Partei des Faschisten Björn Höcke zum Ministerpräsidenten Thüringens wählen lässt.

Ausgewählte Repräsentanten der westlichen Republik waren die Sozialdemokraten Willy Brandt und Herbert Wehner, der eine Heimkehrer aus dem schwedischen, der andere aus dem sowjetischen Exil. Es waren aber auch Heinrich Lübke und Hans Filbinger. Der eine forderte KZ-Häftlinge als Arbeitssklaven an,[1] der andere sprach als „furchtbarer Jurist“ noch 1945 Urteile als Marinerichter im Sinne des Nazi-Staates.

Mai 2020

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