Ausgabe Mai 2020

Exit ist nicht genug: Warum Nach-Corona nicht Vor-Corona sein darf

Eine fliegende Fledermaus

Bild: Igam Ogam / Unsplash

Inzwischen grassiert das Coronavirus seit einigen Monaten, die harten Reaktionen aber begannen erst vor wenigen Wochen. Der richtige Zeitpunkt für langfristige Änderungen wie für die Bestätigung von Bewährtem steht noch bevor. Vieles lässt sich noch nicht übersehen, noch herrscht die Gegenwart, die uns mit täglich Neuem in Atem hält. Der Modus der Gegenwart ist die Gefahrenabwehr. Das politische „Entscheiden auf Sicht“ ist dafür die richtige Strategie. In Krisen muss man vom Schlimmsten sprechen, weil man damit rechnen muss. Das allein hilft in der Regel aber nichts, wenn man nicht auch die Möglichkeit des Besseren und Guten in Betracht zieht – dass sich mit dieser Krise also auch echte Chancen bieten. Schon allein das Wort „Exit“, so sehr es in aller Munde ist, leitet daher in die Irre. Ein einfaches Zurücksetzen auf den Status quo vor dem Corona-Ausbruch wäre nur für manche möglich und zuträglich. Dafür sind die Einschnitte wohl schon heute zu tief. Statt eines Exit wäre ein Enter, ein Einstieg in etwas Neues, daher weit eher sachgerecht. Denn schon jetzt zeitigt diese Krise, wenn auch noch vorläufig und unvollständig, erste fundamentale Erkenntnisgewinne.

Der Mensch erreicht das Virus – am Anfang war das Anthropozän

Am Anfang gilt es festzustellen: Nicht das Virus erreicht den Menschen, sondern der Mensch das Virus. Die Pandemie ist kein überraschender Unfall. Sie war vorhergesagt und sie ist zwangsläufig.

Mai 2020

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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