Ausgabe März 2021

Retter Draghi: Italiens Parteien ohne Kompass

Der neu ernannte italienische Ministerpräsident Mario Draghi vor dem Senat während der Vertrauensabstimmung über die neue Regierung, Rom (Italien), 17. Februar 2021 (IMAGO / Insidefoto)

Bild: Der neu ernannte italienische Ministerpräsident Mario Draghi vor dem Senat während der Vertrauensabstimmung über die neue Regierung, Rom (Italien), 17. Februar 2021 (IMAGO / Insidefoto)

Jetzt soll es also Mario Draghi richten. Der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) ist angetreten, Italien als neuer Premierminister aus der schwersten Krise der Nachkriegszeit zu führen. Über 100 000 Italiener sind mittlerweile an Covid-19 gestorben, die Wirtschaft liegt nach einem massiven Einbruch um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr am Boden, die Staatsverschuldung ist auf fast 160 Prozent des BIP geklettert, die Schüler haben beinahe zwei Jahre verloren und immer mehr Bürger werden von Existenzängsten geplagt. Doch ungeachtet der dramatischen Lage hatte sich die bisherige Regierungskoalition unter Giuseppe Conte derartig in eine Sackgasse manövriert, dass Staatspräsident Sergio Mattarella nur zwei Alternativen geblieben waren: Neuwahlen einberufen oder jemanden mit dem Versuch einer neuen Regierungsbildung beauftragen. Angesichts der grassierenden Pandemie entschloss sich Mattarella für letztere Option und brachte Draghi ins Spiel. Das war zumindest die offizielle Erklärung, die inoffizielle lautete: Neuwahlen hätten ziemlich sicher zu einer Regierung aus der rechtsnationalen Lega und den postfaschistischen Fratelli d’Italia geführt.

Der Großteil der Italiener zeigt sich erleichtert über diese Lösung. Es herrscht die Zuversicht, dass es Draghi gelingen könnte, das Land nicht nur aus der Krise zu führen, sondern ihm auch eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen.

März 2021

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.