Ausgabe August 2022

Schockstrategie des Supreme Court

Der US-Supreme Court in Washington D.C. (Ian Hutchinson via unsplash)

Bild: Der US-Supreme Court in Washington D.C. (Ian Hutchinson via unsplash)

Das ist sie. Die Gelegenheit für Präsident Joe Biden und den Kongress, die allseits akzeptierte Legitimität des Supreme Court der USA infrage zu stellen und eine aggressive Agenda für den Klimaschutz voranzubringen. Eine bessere und zugleich schicksalhaftere Gelegenheit wird es nicht geben, um für die Erneuerung des Gerichts einzutreten. Die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hat recht: „Wir müssen das ganze Ding reformieren oder abschaffen, um den Planeten zu retten“. Während weniger Tage wurden wir jüngst Zeuge eines juristischen Staatsstreichs per Schockstrategie: Der Supreme Court nahm Menschen ihr Recht, Schwangerschaften zu beenden; schwächte das souveräne Recht von Ureinwohnern, auf ihren Gebieten die Gesetze durchzusetzen; griff in die Rechte von Bundesstaaten ein, das Tragen von Schusswaffen zu regulieren; und ermöglichte christliche Gebete an öffentlichen Schulen.

Und jetzt noch das: Das Gericht nahm der US-Umweltschutzbehörde EPA die Macht, eine der Hauptquellen der Kohlenstoffemissionen zu regulieren, die unseren Planeten aus dem Gleichgewicht bringen. Sie kann zwar immer noch Regeln für den Ausstoß von CO2 formulieren, aber ihre Möglichkeiten zur Regulierung im Rahmen des Clean Air Act werden massiv eingeschränkt. Die Entscheidung des Supreme Court ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen gezielten „Kampagne gegen Umweltgesetze“ des Koch Industries-Konzerns, wie meine Kollegin Sharon Lerner berichtet.

August 2022

Sie haben etwa 20% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 80% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.