Ausgabe November 2022

Frugaler Wohlstand

Plädoyer für eine Ökonomie des Genug

IMAGO / Lichtgut

Bild: IMAGO / Lichtgut

Sollte Heraklit, der vorsokratische Philosoph aus Ephesus, doch recht gehabt haben, als er zu dem bekannten Schluss kam: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“? Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine könnte diese Behauptung ausgerechnet in jenem Bereich zutreffen, der von knallharten Machtinteressen durchsetzt ist wie kaum ein anderer, nämlich in der Wirtschaft und beim Kampf um deren Ressourcen. Plötzlich bedroht die Abhängigkeit von russischen Gas- und Ölimporten die geopolitische Sicherheit Europas. Deshalb stellte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 18. Mai 2022, kaum ein Vierteljahr nach Kriegsausbruch, den Plan zur REPowerEU vor dem EU-Parlament als Antwort auf Putins Krieg vor. Dieser benennt ein klares Ziel für die europäische Politik: Energieunabhängigkeit von Autokratien und damit von außereuropäischen Lieferungen. Sogar ein neues Wort ist in Brüssel im Umlauf: die Energiesouveränität Europas. Da aber Europa mittlerweile arm an Kohle, Öl und Gas ist, kann diese Souveränität auf längere Sicht nur über erneuerbare Energien hergestellt werden.

Dieser Rückenwind für den Klimaschutz und insgesamt für den europäischen Green Deal erfreut die Umweltfreunde, die überdies stolz sind auf die Überläufer aus nicht-grünen Kreisen.

»Blätter«-Ausgabe 11/2022

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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