Ausgabe Mai 2023

Was wird aus dem Menschen?

Plädoyer für einen neuen Humanismus

Martin Adams via unsplash

Bild: Martin Adams via unsplash

So weit wir in der Geschichte zurückblicken, immer wieder finden wir die Sicht des Menschen auf sich selbst gekennzeichnet von einer tiefen Ambivalenz. „Ungeheuer ist viel, doch nichts ist ungeheurer als der Mensch“, so lautet der berühmte Satz aus der Antigone des Sophokles, dem diese Ambivalenz bereits innewohnt: Ungeheuer, griechisch deinós, ist sowohl das, was Staunen, als auch das, was Furcht erregt, also was „erstaunlich“ oder „gewaltig“ ebenso wie „erschreckend“ oder „furchtbar“ ist. Den gewaltigen Leistungen des Menschen etwa in den Wissenschaften oder der Technik steht seine schreckliche Seite gegenüber, in Hass, Gewalt, Krieg und Destruktion.

Die gleiche Ambivalenz finden wir in der Neuzeit wieder, nämlich bei Blaise Pascal: Es gebe, so schreibt er in seinen Pensées, „im Menschen sowohl irgendeinen mächtigen Grund der Größe, als auch […] einen mächtigen Grund des Elends“ – „Welche Wirrnis, was für ein Ding des Widerspruchs!“ – „Die einen sagen: schaut auf zu Gott, seht, wem ihr gleicht und wer euch schuf […] Ihm könnt ihr ähnlich werden […] Und die anderen lehren ihn: Schlagt die Augen nieder zur Erde, kümmerliches Gewürm […]. Was also wird der Mensch werden?“[1]

Das ist die Frage, die sich heute, in einer Zeit damals noch ungeahnter technologischer Möglichkeiten, in noch ganz anderer Weise stellt.

»Blätter«-Ausgabe 5/2023

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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