Ausgabe Mai 2023

Von der Silicon Valley Bank zur Credit Suisse: Finanzmarktkrise 2.0?

Schriftzug und Geldautomat Credit Suisse, Schweiz, 22.03.2023 (IMAGO / Pius Koller)

Bild: Schriftzug und Geldautomat Credit Suisse, Schweiz, 22.03.2023 (IMAGO / Pius Koller)

Fünfzehn Jahre nach der Finanzmarktkrise, die im September 2008 durch die Lehman-Pleite ausgelöst wurde und die Weltwirtschaft beinahe zum Absturz brachte, drohen erneut massive Turbulenzen im Kasinokapitalismus. In den USA erschütterte der Crash eines zuvor ziemlich unbekannten regionalen Spezialinstituts, der Silicon Valley Bank (SVB), die Finanzmärkte. Dramatischer noch ist der Zusammenbruch der Credit Suisse – immerhin die zweitgrößte Universalbank der Schweiz und unter den weltweit gelisteten 30 systemrelevanten Banken.

Ist also die Sorge vor einer Wiederholung von 2008, einer „Finanzmarktkrise 2.0“, berechtigt?

Zunächst zeigt sich ein fundamentaler Unterschied: Die damals die Welt erschütternde Finanzmarktkrise war die Folge eines besonders aggressiven Spekulationsinstruments. In den Investmentbanking-Abteilungen waren – zum Teil auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz – Forderungen vor allem aus Hypothekenkrediten in den USA zu Wertpapieren verpackt und über das Finanzsystem weltweit verkauft worden. Der Trick bestand darin, dass die mit minderwertiger Bonität ausgestatteten Kreditnehmer durch die Mehrfachverpackung nicht mehr erkennbar waren. Die Ratingagenturen, die das Informationsdefizit eigentlich hätten reduzieren sollen, haben das Gegenteil getan, nämlich durch viel zu gute Noten desinformiert.

»Blätter«-Ausgabe 5/2023

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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