Ausgabe März 2026

Jenseits der Gleichstellung

Wie weibliche Freiheit im postpatriarchalen Chaos erstritten werden kann

Fraktionssprecherinnen der Grünen im Bundestag - v.l.n.r.: Heidemarie Dann, Annemarie Borgmann, Antje Vollmer, Erika Hickel, Waltraud Schoppe und Christa Nickels, 12.2.1984 (IMAGO / Sven Simon)

Bild: Fraktionssprecherinnen der Grünen im Bundestag - v.l.n.r.: Heidemarie Dann, Annemarie Borgmann, Antje Vollmer, Erika Hickel, Waltraud Schoppe und Christa Nickels, 12.2.1984 (IMAGO / Sven Simon)

Nach einem Jahrhundert der Emanzipation erleben wir heute weltweit das destruktive Auftrumpfen toxischer Männlichkeit. Doch was häufig als Wiederkehr des Patriarchats gedeutet wird, ist vielmehr Ausdruck einer viel gefährlicheren Entwicklung: dem Streben nach einer ungeregelten Herrschaft des Stärkeren. Lässt sich weibliche Freiheit in diesem postpatriarchalen Chaos noch mittels Gleichstellungspolitik voranbringen?

Es ist ein lieb gewonnenes Ritual bei gleichstellungspolitischen Veranstaltungen, die jeweils neuesten Gender-Reporte zu zitieren: »Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird es noch soundsoviele Jahre dauern, bis die Gleichstellung erreicht ist!« Das ist pessimistisch gemeint, ich denke dabei aber immer, dass es eigentlich zu optimistisch ist. Woher wissen wir denn, dass es überhaupt weitergeht? Gut möglich, dass die Gleichstellung ihren Peak bereits überschritten hat und Frauenrechte nicht weiter zu-, sondern wieder abnehmen.1

Womöglich war der Juni 2022 ein Wendepunkt, als der Oberste Gerichtshof in den USA das Urteil »Roe v. Wade« aufhob und damit das seit 1973 in der Verfassung verankerte Recht abschaffte, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Oder 2016, als Hillary Clinton die sicher geglaubte Wahl gegen Donald Trump verlor.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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