Ausgabe März 2026

Die Kunst der Bricolage

Wie wir eine ökologische Zukunft offenhalten können

In den nächsten 10 bis 20 Jahren müssen pragmatische Maßnahmen und politische Interventionen im Rahmen der ökologischen Modernisierung vorangetrieben werden. Hier zu sehen: Eine Agri-Photovoltaik-Anlage in Kaiserstuhl (IMAGO / Zoonar)

Bild: In den nächsten 10 bis 20 Jahren müssen pragmatische Maßnahmen und politische Interventionen im Rahmen der ökologischen Modernisierung vorangetrieben werden. Hier zu sehen: Eine Agri-Photovoltaik-Anlage in Kaiserstuhl (IMAGO / Zoonar)

Die dramatische Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität führt in eine zeitliche Zwickmühle: Es müsste sich sofort sehr viel ändern, was unrealistisch erscheint. Deshalb ist die Gefahr groß, in einen apokalyptischen Zukunftspessimismus zu verfallen. Der Ausweg muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.

Wir befinden uns bereits in einer Phase der »Post-Nachhaltigkeit«, in der die negativen Auswirkungen des Klimawandels und des Biodiversitätsverlustes – mit dem Risiko eines gesellschaftlichen Zusammenbruchs –zunehmend spürbar werden, was das Vertrauen in eine positive Zukunft untergräbt. Doch sowohl ein Präsentismus, der einen sofortigen radikalen Wandel fordert, als auch ein apokalyptischer Pessimismus sind problematisch. Ersterer ist komplett unrealistisch, Letzterer unverantwortlich. Wie aber können wir den so dringend gebotenen institutionellen Wandel tatsächlich gestalten? Statt auf fixe Utopien oder Resignation zu setzen, brauchen wir ein schrittweises, tastendes Handeln, das zugleich langfristige Folgen bedenkt – eine Art Bricolage.1 Zukunft darf trotz des Verlustes einer Fortschrittsperspektive nicht durch Präsentismus oder Pessimismus abgeschlossen, sondern muss offengehalten werden. Nur so bleiben wir anpassungsfähig und demokratisch handlungsfähig.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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