Ausgabe März 2026

Strategisch vereint: Russlands Exil-Demokraten

Die Plattform der Demokratischen Kräfte Russlands hat in Straßburg ihre Arbeit aufgenommen, 29.1.2026 (IMAGO / SOPA Images)

Bild: Die Plattform der Demokratischen Kräfte Russlands hat in Straßburg ihre Arbeit aufgenommen, 29.1.2026 (IMAGO / SOPA Images)

Mit Blick auf Russland ist eines klar: Das zunehmend repressive Kremlregime, das seit vier Jahren einen Krieg gegen die gesamte Ukraine führt und zugleich jeden Widerstand im eigenen Land brutal unterdrückt, spricht nicht für alle Russ:innen. Doch wie kann man mit jenen kommunizieren, die das Regime ablehnen? Wie kann man sie in politische Prozesse einbinden? Einen bemerkenswerten Versuch hat nun die Parlamentarische Versammlung des Europarats in Straßburg unternommen. Sie hat eine Plattform ins Leben gerufen, die eine geregelte Kommunikation mit demokratisch gesinnten Exilruss:innen ermöglichen soll. Ende Januar nahm sie ihre Arbeit auf.

Mit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine am 24. Februar 2022 richtete der Kreml die Gewalt immer mehr auch gegen seine eigenen Bürger:innen – gegen jene, die sich weigerten, den Krieg zumindest stillschweigend mitzutragen. Viele gingen daraufhin ins Exil: demokratisch engagierte Russ:innen, die nun noch mehr als früher schon Verfolgung und Haft erwarten mussten, aber auch Männer, die eine Einberufung in die Armee fürchteten, oder Menschen, die für sich schlichtweg keine Perspektive mehr in einem zunehmend isolierten Russland sahen. 

Auch wenn es keine offiziellen Daten zu dieser neuen Emigrationswelle gibt, gehen Schätzungen von mehreren hunderttausend Menschen aus – manche gar von knapp einer Million. Darunter befinden sich viele hochqualifizierte Fachkräfte, insbesondere aus dem IT-Sektor.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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