Ausgabe März 2026

EU-Mercosur-Abkommen: Geopolitik ohne Nachhaltigkeit

Luftaufnahme des Amazonas. Die Rodung des Regenwaldes wird maßgeblich durch industrielle Landwirtschaft vorangetrieben. (IMAGO / Pond5 Images)

Bild: Luftaufnahme des Amazonas. Die Rodung des Regenwaldes wird maßgeblich durch industrielle Landwirtschaft vorangetrieben. (IMAGO / Pond5 Images)

Dieses Abkommen sendet ein starkes Signal an die Welt«, erklärte Ursula von der Leyen am 17. Januar feierlich bei der Unterzeichnungszeremonie in Paraguays Hauptstadt Asunción: »Wir wählen fairen Handel statt Zölle.« Doch kaum war die Tinte unter dem EU-Mercosur-Vertrag getrocknet, überwies das Europäische Parlament (EP) ihn am 21. Januar per Resolution zur rechtlichen Prüfung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Die Entscheidung des EP über die Ratifizierung könnte sich damit um bis zu zwei Jahre verschieben. Die Schockwellen erreichten nicht nur das parallel stattfindende Weltwirtschaftsforum in Davos, sondern erschütterten auch Bündnis 90/ Die Grünen, deren Europaabgeordnete mehrheitlich für die Resolution gestimmt hatten. Dafür hagelte es Kritik aus der eigenen Parteispitze und am schärfsten von Jürgen Trittin: Acht deutsche Grüne hätten dazu beigetragen, »dass rechte Bauernlobby und Anti-Europäer mit zehn Stimmen Mehrheit einen Schritt zu mehr Souveränität der EU blockieren konnten«. Doch so schroff die Tonlage, so undifferenziert sind die Vorwürfe in der Sache. 

Zwar ist das Argument, dass die EU nach der Entscheidung des EP einmal mehr als gespalten und schwach dastehe, durchaus ernst zu nehmen. Aber die Kritik an dem Abkommen und die potenziellen Folgen seiner vorschnellen Anwendung wiegen ebenfalls schwer. Denn das Abkommen stößt keineswegs nur bei einer »rechten Bauernlobby und Anti-Europäern« auf Widerstand.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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