Ausgabe April 2026

Zwischen Germano-Putinismus und Nationalmasochismus

Zum Programmentwurf der AfD in Sachsen-Anhalt

Der AfD-Schriftzug bei der Europawahlversammlung in Magdeburg, 5.8.2023 (IMAGO / dts Nachrichtenagentur)

Bild: Der AfD-Schriftzug bei der Europawahlversammlung in Magdeburg, 5.8.2023 (IMAGO / dts Nachrichtenagentur)

Ungeachtet des Vorwurfs der Vetternwirtschaft stimmten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fast ein Fünftel der Wählerinnen und Wähler für die AfD. Für die im Herbst anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt prognostizieren aktuelle Umfragen gar über 40 Prozent Zustimmung – trotz des extrem radikalen »Regierungsprogramms« der dortigen AfD. Dieses aber steckt voller Selbstwidersprüche. 

Ausgehend von familiären Überkreuzanstellungen im Landesverband von Sachsen-Anhalt, muss sich die selbsternannte »Alternative für Deutschland« aktuell bis in den Bundestag hinein diverser Vorwürfe der Vetternwirtschaft erwehren. Sie tut dies unter anderem, indem sie auf ebenfalls problematisches Gebaren in den Reihen der von ihr als »Altparteien« bezeichneten Mitbewerberinnen verweist. Alice Weidel forderte, anstatt Vergehen einzugestehen, eine gesetzliche Neuregelung: »Gleiche Regeln für alle!«1 Manche hämischen Kommentare begnügten sich damit, mehr oder weniger genüsslich darzulegen, dass nun die Selbstinszenierung der AfD als Gegenentwurf zum etablierten Politikbetrieb in sich zusammenbreche. Dies verkennt aber, dass das Ausmaß und die Systematik der Verfilzung bisher bekannte Dimensionen sprengt. Zudem ist die implizite Botschaft, nun erweise sich die AfD als ebenso korrupt wie alle anderen Parteien, höchst problematisch, weil sie nicht nur das bestehende System delegitimiert, sondern damit auch einer Normalisierung der AfD Vorschub leistet.

»Blätter«-Ausgabe 4/2026

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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