Ernst Wilhelm Borchert und der Film seines Lebens
Bild: Filmstill aus »Die Mörder sind unter uns« mit Hildegard Knef und Ernst Wilhelm Borchert, 1946 (IMAGO / piemags)
Kein deutscher Spielfilm hatte in der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte eine derartige Wirkung wie »Die Mörder sind unter uns«. Er spiegelt die Dramatik der Lage der Kriegsheimkehrer und der deutschen Gesellschaft insgesamt nach Kriegsende – und zwar sowohl in politischer als auch persönlicher Hinsicht. Das komplexe Verhältnis von NS-Verstrickung und Widerstand zeigt exemplarisch die Biografie des Hauptdarstellers.
Denkt man an die unmittelbare Nachkriegsgeschichte, sind zwei visuelle Kunstwerke von besonderer, ja fast ikonischer Bedeutung: das Theaterstück »Draußen vor der Tür« von Wolfgang Borchert und der Film »Die Mörder sind unter uns« in der Regie von Wolfgang Staudte. Wolfgang Borchert sollte die Uraufführung seines Stückes in den Hamburger Kammerspielen am 21. November 1947 nicht mehr erleben, da er exakt einen Tag davor im Alter von nur 26 Jahren starb. Bereits gut ein Jahr zuvor, am 15. Oktober 1946, hatte »Die Mörder sind unter uns« Premiere. Der spektakuläre Film wurde nicht nur in Ost- und Westdeutschland ein Erfolg, sondern auch international gefeiert – ob bei der Biennale in Venedig oder in London, Wien und Paris ebenso wie in Moskau oder Hollywood.1 Das Echo in den ausländischen Zeitungen war ebenfalls positiv, manchmal wurde sogar ein Vergleich mit der Verfilmung von Erich Maria Remarques Bestseller »Im Westen nichts Neues« gezogen.