Ausgabe Mai 2026

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

In Caracas hängen große Plakate, auf denen das ehemalige Präsidentenpaar sowie die Hashtags #FreeMaduro und #FreeCilia zu sehen sind, 25.1.2026 (IMAGO / ZUMA Press Wire)

Bild: In Caracas hängen große Plakate, auf denen das ehemalige Präsidentenpaar sowie die Hashtags #FreeMaduro und #FreeCilia zu sehen sind, 25.1.2026 (IMAGO / ZUMA Press Wire)

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine detaillierte Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Präsident Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert, den Krieg gegen die Islamische Republik zu beginnen. Venezuela galt ihm als Erfolgsmodell.1

Aber worin besteht das »Modell Venezuela«? Seit der Entführung von Staatschef Nicolás Maduro und seiner Ehefrau Cilia Flores im Januar hat sich eine Art autoritäres power-sharing entwickelt. Nach einer Militäraktion ohne jegliche völkerrechtliche Grundlage2 haben die USA unter Gewaltandrohungen erreicht, dass die Regierung in Caracas im Rekordtempo ihre Ölindustrie und den Bergbausektor für ausländische Investitionen, insbesondere aus den USA, öffnete. Im Gegenzug ließen die USA den repressiven Apparat Venezuelas intakt und die neue Präsidentin, Delcy Rodríguez, konnte ihre Macht mit Hilfe der alten Strukturen festigen.

Wesentlich war für Trump der Zugang zu Öl und anderen Rohstoffen. Das hat er von Anfang an offen ausgesprochen und dafür braucht er politische Stabilität, aber keine Demokratie. Er lobt regelmäßig die gute Beziehung zu Rodríguez und schwärmt von den Milliarden Öleinnahmen, die schon gemeinsam eingefahren worden wären.

»Blätter«-Ausgabe 5/2026

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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