Ausgabe Juli 2026

Christliche Kultur im wehrhaften Staat

Wolfram Weimers nationale Funktionsreligion

Wolfram Weimer (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (IMAGO / IPON)

Bild: Wolfram Weimer (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (IMAGO / IPON)

Der neue Staatsminister für Kultur hat durch manches für Aufsehen gesorgt, nicht zuletzt durch seinen Kampf gegen ihm missliebige Vereine und Buchhandlungen. Wer sich dagegen mit seinen essayistischen Elaboraten beschäftigt, stellt fest, worum es Wolfram Weimer im Kern geht: um deutsche Kunst im Dienste eines dezidiert antiliberalen Christentums.

Obwohl Wolfram Weimer bereits ein Jahr lang sein Amt als Staatsminister für Kultur und Medien ausübt, ist er der Öffentlichkeit immer noch ein Rätsel. Man weiß nicht genau, was er will, sondern sieht nur, was er nicht will. Weimer, so viel ist deutlich geworden, möchte mit Hilfe des Verfassungsschutzes verhindern, dass »politische Extremisten« in den Genuss staatlicher Kulturförderung gelangen. Sollten gegen Zuwendungsempfänger »Erkenntnisse vorliegen«, schreitet er ein. Gegen drei Buchhandlungen liegt angeblich etwas vor, weshalb sie vom Deutschen Buchhandelspreis ausgeschlossen wurden. Was er ihnen genau vorwirft, erfahren sie nicht, denn Weimer kommuniziert im Modus des Verdachts. Das Corpus delicti verbleibt im dunklen Raum der Mutmaßung, und die Mutmaßung mutiert zur Schuld. Sollten Verdächtige gegen den Verdacht protestieren, sind sie erst recht verdächtig. 

Auf den ersten Blick passt die neue Kultur des Verdachts nicht zu Weimers altem Profil.

»Blätter«-Ausgabe 7/2026

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Aktuelle Ausgabe Juli 2026

In der Juli-Ausgabe zeigt Jan Niklas Reiche auf, was die demokratischen Parteien bis zur Wahl in Sachsen-Anhalt noch tun müssen, um eine Machtübernahme der AfD zu verhindern. Thomas Assheuer seziert die essayistischen Elaborate von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und legt offen, worum es ihm im Kern geht: um deutsche Kunst im Dienst eines dezidiert antiliberalen Christentums. Klaus Lederer beschreibt, wie eine autoritäre Internationale gegen queere Menschen und die von ihnen erkämpften Rechte mobil macht. Jan Schlemermeyer plädiert für eine antifaschistische Sicherheitspolitik, die Demokratie als Kernanliegen begreift. Winfried Thaa erinnert an das Gründungsereignis der neuzeitlichen Demokratie – die Amerikanische Revolution und Verfassungsgebung vor 250 Jahren –, die heute durch Donald Trump ausgerechnet am Ort ihrer Entstehung zerstört zu werden droht. Stefan Messingschlager erläutert, was die bilaterale Stabilisierung zwischen Trump und Xi Jinping für Europa bedeutet. Paul Starzmann ergründet, wie weit Wladimir Putins Einfluss in Afrika tatsächlich reicht. Und Friederike Otto erklärt mit Jürgen Habermas, warum die Demokratie zur Bekämpfung der Klimakrise unabdingbar ist. 

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