Ausgabe August 2026

Brasilien: Der Kandidat und die Kartelle

Bei einer Protestaktion anlässlich der Ermordung der Stadträtin Marielle Franco wurde eine blutverschmierte Brasilien-Flagge niedergelegt, 18.3.2018 (IMAGO / Emmanuele Contini)

Bild: Bei einer Protestaktion anlässlich der Ermordung der Stadträtin Marielle Franco wurde eine blutverschmierte Brasilien-Flagge niedergelegt, 18.3.2018 (IMAGO / Emmanuele Contini)

Ende Oktober vergangenen Jahres starben bei einer Polizeioperation in zwei Armenvierteln der Sechs-Millionen-Metropole Rio de Janeiro über 120 Menschen, darunter vier Polizisten – es war der bis dato tödlichste Polizeieinsatz in der Geschichte Brasiliens. Zeugen zufolge sollen zahlreiche der Opfer unbewaffnet gewesen sein, viele sollen aus nächster Nähe durch Genick- oder Kopfschüsse getötet worden sein und waren vorher nie polizeilich in Erscheinung getreten. Das Ziel der Operation, einer der Hauptanführer des Verbrechersyndikats Comando Vermehlo (Rotes Kommando), aber konnte entkommen.

Regelmäßig kommt es in den Armenvierteln von Rio de Janeiro, São Paulo, Salvador und vielen anderen brasilianischen Gemeinden und Städten bei der Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung zu brutalen Polizeioperationen und Massakern. Der für diese Operation verantwortliche damalige Gouverneur von Rio de Janeiro, Claudio Castro vom rechten Partido Liberal, und andere rechtsgerichtete Politiker propagieren offen die Devise »nur ein toter Bandit ist ein guter Bandit«. In Castros rund fünfjähriger Amtszeit als Gouverneur wurden in Rio de Janeiro über 6000 Menschen von der Polizei getötet, etwa drei jeden Tag. Politisch war er für Dutzende von Massakern infolge von Polizeioperationen verantwortlich, darunter die vier tödlichsten Polizeieinsätze der jüngeren brasilianischen Geschichte, die er als Erfolge feierte.

»Blätter«-Ausgabe 8/2026

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