Ausgabe Oktober 2026

Raketen statt Cabrios

Goldgräberstimmung bei Rüstungsfirmen – Europa ohne Strategie

Ein Arbeiter in der Produktionsstrasse bei Rheinmetall in Kassel, 27.8.2026 (IMAGO / photothek)

Bild: Ein Arbeiter in der Produktionsstrasse bei Rheinmetall in Kassel, 27.8.2026 (IMAGO / photothek)

In Deutschland und Europa steigen die Rüstungsausgaben rasant an. Das Versprechen dabei: mehr Abschreckung gegen Russland und Unabhängigkeit von den USA. Viele Regierungen scheinen jedoch vor allem auf einen Aufschwung für ihre jeweilige nationale Wirtschaft zu hoffen, eine koordinierte Rüstungspolitik der EU ist nicht zu erkennen. 

Anderthalb Jahre nach Aufhebung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben durch die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD und Grüne nimmt der Rüstungsboom in Deutschland Fahrt auf. So meldeten zwei der größten deutschen Waffenhersteller im Sommer Spitzenwerte unter den 38 im Dax gelisteten Konzernen: Das mit Abstand stärkste Wachstum verbuchte Rheinmetall, das im zweiten Quartal 2026 rund 69 Prozent mehr umsetzte als im Vorjahr, gefolgt von Airbus mit einem Plus von 28 Prozent. Die Gewinne der beiden Rüstungsriesen und der von Sonderkonjunkturen profitierenden KI-, Energie- und Finanzbranche glichen die Verluste von drei der fünf im Dax notierten Unternehmen aus der Automobilindustrie aus. Das operative Ergebnis der deutschen Wirtschaftskonzerne im zweiten Quartal stieg so auf einen neuen Höchststand von 52,6 Mrd. Euro. Gestützt durch die anhaltend hohen Verteidigungsausgaben legten auch die Aktien des Panzergetriebeherstellers Renk und des Radar- und Sensorspezialisten Hensoldt zu.

»Blätter«-Ausgabe 10/2026

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