Bild: Gedenkmarsch für den bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladić im bosnischen Banja Luka, 1.9.2026 (IMAGO / Pixsell)
Es ist mehr als nur eine Zahl, es ist eine Mahnung: 8372 muslimische Jungen und Männer wurden am 11. Juli 1995 in Srebrenica, einem Ort im Osten Bosnien und Herzegowinas, getötet. Die Morde, begangen von serbisch-bosnischen Milizen, stehen für einen rassistisch motivierten Furor, der die dort lebenden Muslime auslöschen wollte. Der Völkermord war der bis dahin blutigste Gewaltakt in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Befehligt wurden die Gräueltaten vom bosnisch-serbischen General Ratko Mladić, der die UN-Schutzzone zuvor eingenommen hatte. Vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (Istgh) wurde Mladić für diese und weitere Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Haager Urteile schrieben Rechtsgeschichte, sie gelten als historische Meilensteine auf dem Gebiet der Transitional Justice.
Auf dem Balkan selbst wirken die Richtersprüche kaum nach. Mladić gilt heute in weiten Teilen Serbiens und dem serbisch-dominierten Teil Bosniens als Held. So ist es kaum verwunderlich, dass die Belgrader Führung unter Präsident Aleksander Vučić nach Mladićs Tod Ende August dieses Jahres dessen Leichnam nach Serbien eskortieren ließ. Begleitet vom Militär, der Orthodoxen Kirche, von Regierungsvertretern und von Tausenden umjubelt, wurde er beigesetzt.
Die Verachtung der Opfer, ihre Entmenschlichung – all das zeigt sich 31 Jahre nach Ende des Bosnienkrieges so stark wie nie zuvor.