Bild: Aus einer Mülltonne schaut ein CDU-Wahlplakat heraus, 14.4.2026 (IMAGO / Rene Traut)
Das taktische Arsenal der AfD ist um eine feine Variante reicher«, jubilierte am 5. Februar 2020 AfD-Vordenker Götz Kubitschek, nachdem kurz zuvor der Thüringer Landtag im dritten Wahlgang »versehentlich« FDP-Landeschef Thomas Kemmerich mit 45 zu 44 Stimmen zum neuen Ministerpräsidenten gewählt hatte, darunter auch die Stimmen von CDU und AfD.1 »So konstruktiv-destruktiv wie Höcke«, feixte dessen Intimus Kubitschek, »hat aus dieser Partei heraus noch keiner agiert: In Thüringen jemanden so auf einen Stuhl [zu] setzen, dass es in Berlin einem anderen Stuhl die Beine abschlägt«, nämlich dem Stuhl der damaligen CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, die kurz darauf ihren Posten räumen musste.
Heute erscheinen uns die damaligen Ereignisse von Thüringen weit entfernt und fast provinziell. Denn am 6. September hat mit der Wahl in Sachsen-Anhalt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund seinen Parteifreund und -rivalen Höcke mit den von ihm erzielten 43,8 Prozent Zustimmung weit übertroffen und beinahe dem größten Stuhl im Lande die Beine abgeschlagen, nämlich dem des Bundeskanzlers – zumal dem Schock von Sachsen-Anhalt das »Desaster« (Merz) von Mecklenburg-Vorpommern folgte. Dort verfehlte die CDU zum ersten Mal bei einer Landtagswahl überhaupt die erforderlichen fünf Prozent und wird keine Abgeordneten mehr stellen – ein bis eben noch unvorstellbares Ereignis.