Ausgabe Oktober 2026

Ausgrenzung und Abwertung: Deutsche Kulturpolitik à la AfD

Außenansicht des Bauhausgebäudes mit Schriftzug in Dessau, 5.6.2026 (IMAGO / Jörg Halisch)

Bild: Außenansicht des Bauhausgebäudes mit Schriftzug in Dessau, 5.6.2026 (IMAGO / Jörg Halisch)

Kultur ist in erster Linie das, was nationale Identität spendet«, verkündete der AfD-Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider im Mai diesen Jahres im Magdeburger Landtag. »Die deutsche Kultur, auch und gerade in Sachsen-Anhalt, ist das, was es mir ermöglicht, mich als Deutscher zu verstehen. Kultur in Sachsen-Anhalt ist deutsche Kultur und die Kulturförderung hat dessen inne zu sein.« Daher werde seine Partei das entsprechende Gesetz dahingehend ändern, »dass wir ihm einen klaren Kulturbegriff geben«.1

Ein klarer Kulturbegriff? Offenbart nicht allein schon diese Formulierung, wes Geistes Kind hier spricht? Wie kommt man auf die anmaßende Idee, Kultur endgültig definieren zu wollen, und dann noch für ein ganzes Bundesland? 

Aus rechtsextremer Perspektive ist das nur konsequent, und so ist es denn auch kein Wunder, dass der Vorstoß aus den Reihen jener Partei kommt, die sich nach ihrem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt über Glückwünsche von Wladimir Putin, Donald Trump und Elon Musk freuen konnte: Eine freie Kultur- und Kunstszene ist den autoritär Gesinnten dieser Welt ein Dorn im Auge, weil sie sich naturgemäß jeder Gleichschaltung entzieht und so stets den Keim der Revolte in sich trägt. Sie einzuhegen und zu kontrollieren, steht darum ganz oben auf der To-do-Liste, wenn es gilt, eine Gesellschaft zurechtzuzimmern, in der möglichst niemand mehr den Kopf hebt. 

Geschichte und Gegenwart bieten dafür reichlich Anschauungsmaterial.

»Blätter«-Ausgabe 10/2026

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Druckausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema