Die zynische Antwort der Rechtsextremen auf existenzielle Krisen
Bild: »Wie die Kriegsschiffe, die bei Niedrigwasser zum Vorschein kommen, scheint auch der Faschismus ein Comeback zu erleben«, schreiben unsere Autorinnen. Zu sehen ist ein Kriegsschiff, was durch niedrige Pegelstände in Serbien aus der Donau aufgetaucht ist, 11.8.2026 (IMAGO / Anadolu Agency)
Der weltweite Aufstieg der extremen Rechten erinnert viele an den historischen Faschismus. Aber trotz vieler Parallelen handelt es sich um eine grundlegend neue politische Bewegung, einen Endzeitfaschismus.
Als unerbittliche Hitze und Dürre in diesem Sommer die Pegelstände sinken ließen, begann die Donau, ihre Geheimnisse preiszugeben. Wie Monster, die aus dem Schlamm der Zeit auftauchen, sind versunkene Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg langsam zum Vorschein gekommen. In Serbien brachte der austrocknende Fluss mindestens 20 Nazi-Schiffe ans Tageslicht, von denen einige noch immer mit Munition beladen waren. In Ungarn kam ein mit heißem Schlamm verkrustetes Militärmotorrad der Nazis zum Vorschein, unweit der verrosteten Medaillen und Erkennungsmarken zweier deutscher Soldaten. In der Slowakei bemerkte ein Passant eine riesige 1500-Pfund-Bombe, die aus dem versiegenden Fluss ragte und von der Royal Air Force abgeworfen worden war. Die slowakischen Behörden mussten den Sprengkörper, der mehr als 80 Jahre lang unter Wasser gelegen hatte, vorsichtig abtransportieren und tief vergraben zur Explosion bringen.
Für viele Beobachter wirken diese gespenstischen und bedrohlichen Erscheinungen aus Europas Vergangenheit weniger wie eine historische Kuriosität als vielmehr wie eine allzu wörtlich zu nehmende Metapher – als ob die Natur William Faulkners Aphorismus bestätigen würde: »Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen.