Ausgabe April 2014

Japan: Mit Nationalismus in die Isolation

Japans Premierminister Shinzo Abe hat eine Mission: Er will sein Land wieder zu der großen Nation machen, die es einmal war. Doch die Rückkehr zu einem erfolgreichen und nationalstolzen Japan ist nicht nur ein gewagtes Versprechen, sondern auch überaus gefährlich. Denn mit seiner auf nationale Größe abzielenden Politik droht Abe Japan international zu isolieren und das politische Klima zwischen China und Japan gefährlich aufzuheizen. Am Ende könnte sich Japan plötzlich in einem militärischen Konflikt mit China wiederfinden, den es gar nicht beabsichtigt hatte.

Zunächst ist zweifelhaft, ob Japan zu seiner alten wirtschaftlichen Stärke zurückfinden kann. In den letzten zwei Jahrzehnten verharrte das Land in der nabelschauartigen Betrachtung seiner Unfähigkeit, strukturelle Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft in Angriff zu nehmen, und Shinzo Abes weltweit Abenomics genannte Wirtschaftspolitik ist nach großen Anfangserfolgen für die Exportindustrie ins Stocken geraten. Ohnehin ist das anvisierte Wirtschaftswachstum von jährlich zwei Prozent in einer alternden Gesellschaft mit einer obendrein abnehmenden Bevölkerungszahl nicht zu erreichen.[1]

Umso mehr sieht Japan sich durch das immer stärker werdende China bedroht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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