Ausgabe August 2014

Das Energiewende-Paradox

Am 11. Mai war Deutschland plötzlich Weltmeister – und merkte es nicht einmal. Der Rest der Welt dagegen schon: „Deutschlands beeindruckende Serie von Meilensteinen bei erneuerbaren Energien geht weiter“, schrieb etwa die Online-Plattform „Climate Progress“.[1] Der Grund: Fast 75 Prozent des deutschen Stroms waren an diesem verbrauchsarmen Sonntag aus Wind- und Sonnenenergie gekommen. Was nur wenigen deutschen Medien eine Erwähnung wert war, gilt unter Fachleuten und im Ausland als Sensation: Es gibt ein Industrieland, das mit seiner Energiewende offenbar Ernst macht – ohne dass die Lichter ausgehen.

Die deutsche Energiewende schlägt nach drei Jahren national und international hohe Wellen: Als Beispiel für den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft für die einen, als Mahnung vor einer „De-Industrialisierung“ der größten europäischen Volkswirtschaft für die anderen. The German Energy Transition wird im Ausland verflucht, wenn sie die Stromleitungen in Polen und Tschechien an den Rand des Blackouts treibt oder den Pumpspeicherwerken in den Alpen ihr Geschäftsmodell verdirbt. Andere Nachbarn hingegen freuen sich über billigen deutschen Strom, wenn die Sonne scheint und der Wind weht, über deutsche Fortschritte bei den europäischen Klimazielen und über die deutschen Subventionen, die Ökostrom weltweit billiger machen.

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